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Fasch - Zelter - Mendelssohn

 
   

Karl Friedrich Fasch
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Carlo Fasch
Carlo Fasch

"Den 24. May bei Mad. Voitus zum ersten mahl",

schrieb der Komponist und Cembalist Karl Christian Friedrich Fasch im Jahr 1791. Das war die Geburtsstunde der Singe-Academie zu Berlin.

Fasch ahnte wohl damals kaum, daß aus seiner zunächst 22 singbegeisterte Menschen umfassenden Vereinigung einer der bedeutendsten deutschen Chöre erwachsen würde, eine Bewegung ausgehen sollte, die breite Kreise erfaßte.

Es war in Europa - ausgehend von der Großen Französischen Revolution - eine Zeit umwälzender gesellschaftlicher Ereignisse.

Der sogenannte "Dritte Stand" drängte nach vorn, begann sich von den Zwängen der Höfe zu befreien. Auch in Deutschland rüttelten diese Ereignisse an den Grundfesten des "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation". Das Bürgertum meldete sich stärker zu Wort und so war auch die Singakademie eine Gründung dieses, sich befreienden Standes, denn in ihr und durch sie fanden bürgerlich - demokratische Bestrebungen ihren zeitgemäßen Ausdruck.

Hier hatten sich Menschen zusammengefunden, die, frei von den Höfen, von der Kirche, die höhere Kunst zu ihrem Besitz machen wollten.

Marienkirche, Berlin um 1900, Foto: AKG
Marienkirche, Berlin um 1900

Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung der Singe-Academie geschah etwas für die damalige Zeit Unerhörtes:

Die Singe-Academie, d. h. ein gemischter Chor, in dem Alt und Sopran von Frauen und nicht von Knaben gesungen wurden, sang in der Marienkirche! - eine Tat, die Jahre vorher undenkbar gewesen wäre.

Karl Friedrich Christian Fasch gab der Singakademie ihr Programm: Die großen deutschen Chorwerke zu erhalten und zu erneuern und für die Lebensarbeit anerkannter oder auch junger Musiker einzutreten.

Die Singe-Academie zu Berlin bildete in Berlin ein geistig-kulturelles Zentrum und strahlte auf ganz Deutschland aus: U.a. in Leipzig, Braunschweig, Stettin, Frankfurt, Breslau, entstanden Singakademien. Musiker, Schriftsteller, Künstler, Gelehrte, die nach Berlin kamen, besuchten die Proben und Konzerte, so z.B. Beethoven am 21. und 28. Juni 1796, Schiller am 15. Mai 1804. Goethe, Schadow, Rauch, Hegel, Fichte, Weber, W. v. Humboldt, um nur einige zu nennen, waren eng mit der Singakademie verbunden. Mendelssohn-Bartholdy, Reichardt, Devrient, Schleiermacher, Körner, Nicolai, Meyerbeer zählten zu ihren Mitgliedern.

Karl Friedrich Zelter
Zelter

Der Persönlichkeit Karl Friedrich Zelters ist es zu danken, daß die Singakademie sich über die bürgerlichen Singetees erhoben hat und zu einer Pflegestätte neuer deutscher Chorkultur wurde, die das gesamte deutsche Musikleben beeinflußte.

Nach Faschs Tod im Jahr 1800 führte Zelter den Chor zu überregionalem Ansehen: Bald schon wächst die Vereinigung auf über 300 Sänger, die Mitgliedschaft wird Zeichen sozialen Prestiges.

Unermüdlich kämpft Zelter seit 1811 für einen eigenen Saal der Singakademie, die Eröffnung des 900-Plätze-Hauses am Kupfergraben, dem heutigen Maxim-Gorki-Theater, wird 1827 zum Höhepunkt seines künstlerischen Lebens .

Haus der Sing-Akademie zu Berlin, nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel durch Theodor Ottmer erbaut.
Haus am Festungsgraben

Am 8. April 1827 weihte die Singe-Academie ihr eigenes Haus am Festungsgraben ein.

Dieses Haus erlebte von nun an nicht nur die Konzerte der Singakademie, sondern auch Künstler wie Franz Liszt, Nicolo Paganini Clara Wieck und Anton Rubinstein konzertierten hier. Gelehrte wie Alexander von Humboldt und August Wilhelm von Schlegel hielten hier ihre Vorträge.
 

Felix Mendelssohn Bartholdy
F. Mendelssohn-Bartholdy

Die Programmatik der Singakademie hat wohl eine einzigartige Bestätigung in der Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach durch Felix Mendelssohn-Bartholdy am 11. März 1829 gefunden.

Zelter schreibt darüber an Goethe:

"Unsere Bachsche Musik ist gestern glücklich von statten gegangen und Felix hat einen straffen ruhigen Director gemacht: ... ich hatte mich mit einer Partitur neben dem Orchester gesetzt, von wo aus ich mein Völkchen beobachten konnte und das Publikum zugleich."

Zelter fügt hinzu, daß es in diesem Werk gelungen sei, das Wort des Dichters selbst zur Idee werden zu lassen.

Fasch und Zelter und mit ihnen die Singakademie haben das Werk Bachs zu neuem Leben erweckt sowie eine bis heute andauernde Pflege Händelscher Oratorien eingeleitet. Die großen humanistischen Ideen waren es, die die Singakademie zu einer festen Vereinigung erwachsen ließen. 1817 wurde ihre erste Grundverfassung bestätigt, zwei Vizedirektoren wurden eingesetzt, die Rechte und Pflichten der Mitglieder festgelegt.

Als Zelter am 15. Mai 1832 starb, mußte zum ersten Male nach dem Statut der neue Direktor von den Mitgliedern gewählt werden. Auf der Liste der Bewerber um dieses Amt standen Namen wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Loewe, aber auch die beiden Vizedirektoren Eduard Grell und Carl Friedrich Rungenhagen. Obwohl Mendelssohn sich mit der Aufführung der Matthäus-Passion große Verdienste erworben hatte, kam seine Bewerbung um die Nachfolge Zelters nicht durch.   Gewählt wurde Rungenhagen: Er war bis 1850 Direktor, und bemühte sich das fortzusetzen, was Zelter begründet hatte.

Sein Nachfolger wurde Eduard Grell. Die "Singe-Akademie zu Berlin" wandte sich unter Grells Leitung fast ausschließlich dem kirchlichen A-cappella-Gesang zu. Als 1900 das Amt des Direktors zum 6. Male neu zu besetzen war, entschied man sich für den 34jährigen Leiter der Bremer Philharmonie, Georg Schumann (*25.10.1866 in Königstein/Sachsen ; †23.05.1952 in Berlin). Ihm gebührt das Verdienst, der Singakademie wieder künstlerischen Ruf und Ansehen verschafft zu haben. Die programmatische Tradition der Pflege der besten deutschen Chorwerke, vor allem der Werke Bachs und Händels, wurde unter seiner Leitung fortgesetzt.

Bachmuseum Eisenach
Bachmuseum Eisenach

Schumann selbst ist Initiator der Einrichtung des Bachhauses und des Bachmuseums in Eisenach. Die Singakademie gab Sonderkonzerte für dieses Bachhaus. Es gelang Schumann auch, mit der Singakademie in Italien, Schweden, Österreich, Norwegen, Dänemark und der Tschechoslowakei sowie in vielen deutschen Städten zu konzertieren, und ihr somit wieder internationale Bekanntheit zu geben.

Georg Schumann vermochte es aber nur begrenzt, den fortschrittlichen Charakter, den die deutsche Sängerbewegung Anfang des 19. Jahrhunderts hatte, neu zu beleben, zumal seine Amtszeit auch in die Zeit des Faschismus in Deutschland fiel.

Jahre später spaltet der Mauerbau mit der Stadt auch die Singakademie. >>Gründung der Berliner Singakademie nach 1945.

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