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Achim Zimmermann

 
   

Im September 1989

wurde Achim Zimmermann als neuer Direktor der Berliner Singakademie in sein Amt eingeführt. Der Chor begrüßte seinen neuen Leiter aufgeschlossen, aber mit hohen Erwartungen, denn das künstlerische Niveau, das der Chor unter dem bisherigen Leiter, Dietrich Knothe, erreicht und gehalten hatte, war für den neuen Direktor eine hohe Verpflichtung.

 

1958 in Dippoldiswalde bei Dresden geboren, prägte vor allem der Dresdner Kreuzchor, dem er acht Jahre angehörte, seine spätere künstlerische Entwicklung. Neben der persönlichen Ausstrahlung der Kreuzkantoren Rudolf Mauersberger und Martin Flämig schätzt Achim Zimmermann in der späteren Rückschau vor allem die umfassende Repertoirekenntnis, die ihm durch den Dienst in der Liturgie und die umfangreiche Konzerttätigkeit des Chores vermittelt wurde, sowie das Erlebnis einer solchen Chorgemeinschaft, wie sie der Kreuzchor darstellt, besonders hoch ein.

1979 begann Achim Zimmermann ein Studium an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar - zunächst im Studiengang Schulmusik, doch konnte er dank des persönlichen Einsatzes seines Lehrer Prof. Gert Frischmuth nach einem Jahr in den Studiengang Chorleitung (Hauptfach) wechseln. Neben Gert Frischmuth waren Prof. Günter Fredrich und im Zweitfach Orchesterdirigieren Prof. Olaf Koch und Rudolf Bräuer seine Lehrer.

Nach dem Examen 1984 vervollkommnte Achim Zimmermann, nun bereits im ersten Engagement stehend, seine Ausbildung bis 1986 durch ein zusätzliches Kapellmeister-Studium bei Olaf Koch. Mehrmals nahm er an Dirigierseminaren und Meisterkursen bei Helmuth Rilling in Leipzig, Stuttgart und Eugene/USA teil. Die Person Helmuth Rillings, vor allem seine Art und Weise der Textausdeutung, der "spirituelle Hinterfragung" von musikalischen Strukturen, übte auf Zimmermann einen entscheidenden Einfluss aus.

Sein erstes Engagement führte ihn 1983 (noch während des Studiums) an die Suhler Philharmonie. Hier erklangen unter seiner Leitung mit der Suhler Singakademie u. a. Bachs Weihnachts-Oratorium, Mendelssohns "Erste Walpurgisnacht", Mozarts "Krönungs-Messe" und Orffs "Carmina burana". Die Suhler Position brachte Achim Zimmermann zudem wichtige Erfahrungen in der Praxis, denn sie war keine Assistentenstelle, sondern schloss eine hohe künstlerische Verantwortung mit ein. Auch konnte er sich hier als Orchesterleiter profilieren, denn auch Orchesterprogramme gehörten zu den Verpflichtungen des Chordirektors der Suhler Philharmonie. Neben der Leitung von Proben und Aufführungen hatte er sich aber auch eigenverantwortlich in der Organisationsarbeit zu bewähren.

1988 dirigierte Achim Zimmermann erstmals im Schauspielhaus die Berliner Singakademie, als er von Dietrich Knothe eingeladen wurde, eine Aufführung von Händels "Brockes-Passion" zu leiten. Der überzeugende Eindruck dieses Konzertes war auch ausschlaggebend dafür, dass er, als Dietrich Knothe im Januar 1989 seinen Rücktritt als Direktor der Berliner Singakademie ankündigte, eingeladen wurde, sich um die Nachfolge zu bewerben. Nach seinem Probedirigat am 6. April 1989, wo er Mozarts Requiem zur Aufführung brachte, wurde er vom Chor zum neuen Direktor gewählt und im September 1989 in sein Amt eingeführt.

Unmittelbar nach dem Beginn seiner Tätigkeit in Berlin veränderte die politische Wende die Voraussetzungen seiner Arbeit ganz entscheidend. War die Singakademie im ehemaligen Ost-Berlin der zweifellos bedeutendste Oratorienchor gewesen, so sahen sich nun der Chor und sein Leiter mit der Situation zweier "Singakademien" in Berlin und zahlreicher anderer großer Oratorienchöre konfrontiert. Achim Zimmermann war sich bewusst, dass eine Sicherung der Existenz des Chores in der Berliner Chorlandschaft und in der schwierigen Position zur Sing- Akademie zu Berlin einzig auf der Grundlage eines höchsten Qualitätsstandards möglich sein konnte.

Ziel seines Bestrebens war es, ein behutsames Aufeinander-Zugehen beider Chöre zu fördern - im Sinne der Tradition der alten Singakademie, getragen auch von der Erkenntnis, dass es im wiedervereinten Berlin auf Dauer keine zwei Singakademien geben kann. Dieses Aufeinander-Zugehen setzt aber auch eine gegenseitige Aufarbeitung der jüngeren Geschichte unter gegenseitiger Respektierung voraus: Der Weg dahin wies bisher Erfolge und Rückschläge auf. Die zwei gemeinsamen Konzerte der beiden Chöre - Brahms' Requiem 1992 im Schauspielhaus (unter Leitung von Achim Zimmermann) und eine Aufführung großbesetzter Psalm- Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy 1994 (unter Leitung von Hans Hilsdorf), die bei den Beteiligten tiefe Eindrücke hinterließen, dürften sicherlich zu den wichtigsten Erfolgen auf diesem gemeinsamen Weg zu zählen sein.

Als seine wichtigste künstlerische Maxime bezeichnete Achim Zimmermann im Gespräch, den Chor ständig fordern und "verjüngen", um ein künstlerisches Niveau zu halten, das dem Anspruch eines so traditionsreichen Musikinstitutes wie der Singakademie und den wichtigsten Aufführungsstätten, Konzerthaus (Schauspielhaus) und Philharmonie, entspricht. Außerdem sollen dem Chor durch regelmäßige Auslandsreisen Begegnungs- und Vergleichsmöglichkeiten gegeben werden, um den Mitgliedern des Chores das internationale Niveau erfahrbar zu machen.

Um mit der Berliner Singakademie die Fülle des Repertoires adäquat aufführen zu können, ist Achim Zimmermann dazu übergegangen, manche Programme z. B. mit Kammerbesetzungen zu erarbeiten und aufzuführen. Trotz aller Belesenheit und Erfahrung möchte er sich doch eine gewisse aufführungspraktische Unbefangenheit erhalten: Bachs h-Moll-Messe bedarf für eine "gültige Aufführung" nicht immer nur eines Ensembles von 30 professionellen Sängern, sondern lässt sich durchaus auch mit einem gutstudierten 90-Mann-Chor so wiedergeben, dass sich die Botschaft des Werkes den Zuhörern in ergreifender Weise mitteilt. So hatte er 1993 auch den Mut, Monteverdis Marienvesper mit einem großen Chor zu singen (wobei allerdings das Tutti nur an den wenigen akkordisch-kompakt gesetzten Stellen zum Einsatz kam ...).

In der Repertoire-Gestaltung strebt Achim Zimmermann eine große Vielfalt von Monteverdi bis Pärt an. Ausgespart bleiben einzig solche Werke, die für einen Laienchor dieser Struktur tatsächlich unausführbar sind. Die zeitgenössische Musik bildet einen wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit des Chores: In der Regel wird pro Jahr mindestens ein oratorisches Großwerk des 20. Jahrhunderts erarbeitet (in den letzten Jahren z. B. von Benjamin Britten, Arthur Honegger, Hanns Eisler, Paul Dessau, Bohuslav Martinu oder Frank Martin). Einen weiteren Repertoire- Schwerpunkt bilden Werke der Komponisten, deren Wirken in einer Verbindung mit der Geschichte der Singakademie stand: Carl Friedrich Fasch, Carl Friedrich Zelter, Felix Mendelssohn Bartholdy. In diesen Zusammenhang gehören aber auch die Vokalwerke von Bach und Händel, für deren Wiedererweckung die Singakademie einst Pionierdienste leistete.

Neben der Aufführung der großen vokalsinfonischen Werke ist das A-cappella- Singen ein wichtiges Anliegen von Achim Zimmermann. Neben der A-cappella-Arbeit im Gesamtchor formierte er deshalb 1991 einen Kammerchor der Berliner Singakademie.

An der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin unterrichtet Achim Zimmermann von 1990 bis 1998 das Hauptfach Chorleitung, seit 1993 als Professor für Chorleitung. Mehrfach erhielt er Einladungen als Gastdirigent bzw. als Juror internationaler Chorwettbewerbe.

Zusätzlich zu seiner Arbeit mit der Berliner Singakademie übernahm er im Januar 2002 die Leitung des Bach-Chores und des Bach-Collegiums an der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche und damit die regelmäßigen Aufführung der Bachschen Kirchenkantaten.

Die Arbeit in einer Chorgemeinschaft ist - unter den Bedingungen unserer eher unmusisch gewordenen Zeit - so nicht allein ein bloßer Zeitvertreib, eine angenehme Freizeitbeschäftigung, sondern kann ihren Mitgliedern immer wieder einen gewissen "Lebensinhalt" schaffen. Auf dieser Basis können manche Chöre dann eine Leistungsfähigkeit erreichen, die es möglich macht, die Botschaft der großen Musik an die Zuhörer weiterzugeben. Achim Zimmermann als Direktor der Berliner Singakademie sieht sich gegenüber dieser großen Musik weniger als Künstler, sondern mehr als Diener am Werk, der sich dieser Botschaft verpflichtet weiß und sie an die Zuhörer weitergeben möchte.

Am 19. November 2004 beging die Berliner Singakademie mit einem Sonderkonzert feierlich Achim Zimmermanns 15jähriges Jubiläum als Direktor des Chores und ernannte ihn zum Ehrenmitglied.

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